Das Tefifon Schallbandgerät KC1

Tefifon KC1

Das hier vorgestellte Tefifon ist ein ganz besonderes Wiedergabegerät für Schallbänder. Es kann als eine Art Mischung zwischen einem Tonband und einer Schallplatte angesehen werden. Es arbeitet mit einem Band, das allerdings keine magnetische Beschichtung besitzt, sondern Rillen wie die einer Schallplatte. Das Schallband läuft über ein mit Gummi beschichtetes Rad (rechts in der Mitte zu sehen) und wird von einem Tonabnehmersystem abgetastet, wie es auch in Plattenspielern zum Einsatz kommt. Auf dem Bild ist es gut zu sehen. Damit das Band möglichst gleichmäßig laufen kann, wird es durch eine Andruckrolle an die Antriebsrolle gedrückt. Die Spule in der Kassette wird durch ein weiteres Antriebsrad mit einer Geschwindigkeit von etwa 19 cm pro Sekunde angetrieben. Der Tonabnehmer wird über eine ausgeklügelte Mechanik langsam von oben nach unten bewegt. Die Nadel des Tonabnehmers läuft dabei in einer Tonrille wie bei einer Schallplatte. Es gibt mehrere Modelle vom Tefifon. Oben im Bild zu sehen ist das Tefifon KC1. Es ist ein separates Gerät, das zur Wiedergabe der Schallbänder einen externen Verstärker benötigt. Früher wurde dafür ein Röhrenradio verwendet. Es gab damals sogar kleine, tragbare Tefifone für unterwegs, die auch eingebaute Radios besaßen. Ebenso gab es Musiktruhen oder Röhrenradios mit eingebauten Tefifonen oder auch Schallbandspielern, wie die Geräte ebenfalls genannt wurden. Das Tefifon ist eine Erfindung der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es liefert eine den bekannten Schelllackplatten ähnliche Tonqualität. Allerdings haben die Schallbänder Spielzeiten von einer Stunde bis hin zu vier Stunden. Damit war es erstmals möglich, für eine längere Zeit Musik ohne notwendigen Wechsel von Schallplatten abzuspielen oder ganze Opern und Operetten auf einem einzigen Schallträger zu speichern.

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So sah das Gerät aus, als ich es bekam. Die obere Abdeckung über dem Tonabnehmersystem ist leider nicht mehr vorhanden. Auch der Tonabnehmer selbst war leider defekt. Außerdem fehlten einige Schrauben und Befestigungen für das Metallgehäuse. Als erstes habe ich ein Netzkabel an das Gerät angeschlossen, um festzustellen, ob der Antriebsmotoren überhaupt noch funktioniert. Anfangs wollte er nicht laufen. Nach einiger Zeit des Herumsuchens stellte ich dann fest, dass der Schalter vorne am Gerät einen Wackelkontakt hatte. Nachdem dies behoben war, lief der Motor wieder.

Das ganze Gerät wies starke Verschmutzungen auf. Im Bild ist dies sehr deutlich zu erkennen. Die mechanischen Teile waren allerdings noch soweit gängig. Da auch der Motor lief, standen die Chancen gar nicht so schlecht, das Gerät wieder in Betrieb nehmen zu können.

Leider war das Tonabnehmersystem des Tefifon KC1 defekt. Ich bezweifle auch, dass es sich um das originale System handelt. Die Anschlusskabel sahen aus, als wären sie nachträglich zusammengeflickt worden. Das Tonabnehmersystem lieferte auch kein Ausgangssignal mehr. Ich entschloss mich daher, ein anderes Kristallsystem aus einem alten Plattenspieler einzubauen.

Hier ist die Unterseite des Gerätes zu sehen. Links befindet sich der Antriebsmotor. Es handelt sich hierbei um einen normalen Asynchronmotor, wie dieser auch häufig in Plattenspielern oder Tonbandgeräten eingesetzt wurde. Der Antrieb des großen Schwungrades erfolgt über ein Reibrad (unten im Bild zu sehen). Die große Schwungmasse sollte wohl einen möglichst guten Gleichlauf des Gerätes bewirken. Der Antrieb für die Spule in der Kassette befindet sich direkt über dem Motor (im Bild nicht zu sehen). Er wird über einen Antriebsriemen vom Schwungrad angetrieben. Schaut man durch die Speichen des Schwungrades, sind Teile des Antriebsriemens zu sehen.

Hier ist eine Detailaufnahme des Antriebs. Deutlich zu sehen ist das kleine Zwischenrad, das mithilfe einer kleinen Feder (im Bild nicht zu sehen) an die Motorwelle und das Schwungrad gedrückt wird.

Nach dem Einbau eines neuen Tonabnehmersystems konnte ein erster Probelauf des Tefifons erfolgen. Die Klangwiedergabe war relativ gut, wenn man die allgemeine Klangqualität solcher Geräte berücksichtigt. Allerdings funktionierte die Mechanik für den Tonabnehmer noch nicht so richtig. Wegen des neuen Systems muss diese noch etwas eingestellt werden. Doch zumindest war schon einmal eine erfolgreiche Wiedergabe eines Schallbandes möglich.

Nach diesem ersten Probelauf sollten alle Teile noch einmal ausgebaut, gründlich gereinigt und mit neuen Schmiermitteln versehen werden. Im Bild zu sehen ist der Antriebsmotor mit dem Zwischenrad. Leider war alles sehr stark verschmutzt. Ich musste daher erst einmal die Einzelteile des Gerätes gründlich reinigen und die beweglichen Teile mit neuen Schmiermitteln versehen.

Hier ist das Gerätechassis mit demontierten Komponenten zu sehen. Man kann deutlich die starken Verschmutzungen auf der Trägerplatte erkennen. Mit etwas Geduld und den notwendigen Reinigungsmitteln konnten die Ersatzteile und das Chassis allerdings ganz gut gereinigt werden. Bis das Gerät aber wieder in einen guten Zustand ist, muss noch viel getan werden. Die Befestigungen der einzelnen Gehäuseteile fehlen leider noch, ebenso die Abdeckung auf der rechten Seite des Gerätes. Es folgt noch ein Video auf YouTube, in dem das Tefifon während des Betriebs mit geöffneter Kassette zu sehen ist.

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Bilder und Texte: Gerd Weichhaus