Eine Video-Bandmaschine (Philips Video 9180, baugleich mit LDL 1002)

Videorekorder Philips Video 9180 bzw. LDL 1002

Der Spulen-Videorekorder Video 9180 / LDL 1002

An dieser Stelle möchte ich Ihnen einen Videorekorder vorstellen, der als einer der ersten gilt, die für den Heimgebrauch gebaut und verkauft wurden.

Äußerlich wirkt das Gerät zunächst wie ein Tonbandgerät aus der damaligen Zeit. Lediglich ein paar Beschriftungen der Bedienelemente lassen erahnen, um was es sich hier tatsächlich handelt. Das Bandmaterial ist übrigens doppelt so breit wie das von Tonbandgeräten. Die Bedienung des Gerätes beschränkt sich auf das Nötigste. Zwei Pegelregler für die Eingangspegel des Audio- und Videosignals mit den zugehörigen Aussteuerungsinstrumenten, der Trackingregler, wie man ihn von den ersten VHS-Rekordern her noch kennt und natürlich die Laufwerkstasten sowie das Bandzählwerk.

Werbung

Ein Blick in das Gerät bei abgenommener Abdeckung. Auffällig ist hier vor allem die riesige Kopftrommel vorne links. Diese ist mit 105 Millimetern Durchmesser deutlich größer als die von VHS-Rekordern (ca. 60 Millimeter). In der Mitte zu sehen sind Schwungrad, Andruckrolle und Tonkopf. Auch anders als bei den meisten Tonbandgeräten sind die großen Umlenkrollen.

Die Kopftrommel wird von einem Asynchronmotor angetrieben. Durch eine elektronisch geregelte Wirbelstrombremse wird die Drehzahl konstant gehalten, was bei der Videoaufzeichnung unablässig ist. Sehr kritisch an dieser Stelle ist der Riemen, da es bei einem falschen Antriebsriemen zu Drehzahlschwankungen kommen kann, wodurch das Bild instabil wird. Diese ganze Baugruppe habe ich während der Instandsetzung wie ein rohes Ei behandelt, da es so gut wie unmöglich ist, hierfür noch Ersatzteile zu bekommen. Besonders empfindlich sind hier die zwei Abtaster am Kopfrad. Werden diese beschädigt, ist ein Austausch des Kopfrades notwendig.

Die mit rotem Sicherungslack versehenen Schrauben sollten bis auf die drei, welche die Platte am Chassis halten, nach Möglichkeit nicht gelöst werden, da sonst Einstellungen notwendig werden, die man lieber vermeiden sollte. Leider passiert es sehr oft, dass ich Geräte bekomme, bei denen gerade diese Schrauben anscheinend mit Vorliebe verstellt wurden.

Der Antrieb der Wickelteller funktioniert hier nicht über Reibräder oder Riemen, sondern über einen magnetischen Antrieb. Da der Motor links herum dreht und kein Zwischenrad zwischen diesem und dem rechten Wickelteller liegt, dreht dieser rechts herum, anders als bei den meisten anderen Bandmaschinen.

Die Laufwerkstasten und die Anzeigeinstrumente. Meiner Meinung nach hätte dem Gerät eine Pausetaste gut getan.

Hier im Bild zu sehen ist das große Kopfrad mit zwei Abtastern. Einen davon kann man auf der linken Seite erkennen. Auf die Abtaster sollte man bei der Reinigung besonders achten. Unterhalb des Kopfrades ist die Wirbelstrombremse zu sehen.

Die Unteransicht des Chassis. Oben rechts befindet sich die Platine für den Audio- und Videoverstärker, darunter der Antriebsmotor für Capstan und Wickelteller sowie das Netzteil. Das Kopfrad besitzt einen eigenen Motor mit der schon erwähnten Wirbelstrombremse (links in der Mitte). Links unten im Bild ist der Netztrafo für den Verstärkerteil zu sehen sowie die Regelung für die Wirbelstrombremse.

Reparatur und Inbetriebnahme

Als ich das Gerät bekam und die obere Abdeckung entfernte, erwartete mich erst einmal das, was ich schon befürchtet hatte: die für Philips-Geräte aus dieser Zeit übliche Riemenmasse, bei der sich die Antriebsriemen in eine schwarze Masse zersetzt hatten. Nachdem ich das Kopfrad auf Beschädigungen untersucht habe, machte ich mich dann an das Entfernen dieser klebrigen Masse.

Das übrige Innenleben machte einen relativ guten Eindruck. Nichts war verbastelt oder beschädigt, sodass ich sehr optimistisch war, das Gerät wieder in Gang bringen zu können. Außerdem deutete der Riemenschlamm darauf hin, dass der Rekorder seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb war und noch nicht allzu sehr verschlissen.

Nach der Reinigung und dem Einbau neuer Antriebsriemen wollte ich zunächst eine erste Funktionskontrolle durchführen. Ich schloss einen Videomonitor an die AV-Buchse an und schaltete das Gerät ein. Die Motoren liefen an und auf dem Bildschirm erschien ein Bildrauschen. Allerdings stellte ich fest, dass der Netzteilelko warm wurde. Also musste dieser erst einmal wieder an den Betrieb "gewöhnt" werden durch mehrmaliges vorsichtiges Aufladen und Entladen unter Beobachtung der Temperatur (man nennt dies formieren).

Als dies erledigt war und die Bandführungen sowie die Köpfe gereinigt waren, legte ich ein bespieltes Band auf und schaltete das Gerät erneut ein. Nach Drücken der Wiedergabetaste lief das Band an und auf dem Bildschirm war ein instabiles Bild zu  erkennen. Der Ton war klar und deutlich. Durch Drehen des Trackingreglers konnte ich das Bild fast stabil bekommen, allerdings drehte das Kopfrad noch nicht ganz gleichmäßig, was sich in einem gelegentlichen Durchlaufen des Bildes bemerkbar machte. Für den Anfang jedoch war ich sehr zufrieden und beschloss, die Lager zu reinigen und neu zu schmieren.

Nun musste ich mir überlegen, wie ich an besseres Bandmaterial und eine Leerspule kommen konnte, da das alte Bandmaterial nicht mehr das Beste war und ich ja nun auch Probeaufnahmen machen wollte.

Das Bandmaterial war nicht das Problem, dazu konnte ich ja welches aus einer VHS-Kassette verwenden. Die Spule allerdings stellte ein etwas größeres Problem dar, zumindest dachte ich das anfangs.

Vorhandene Tonbandspulen passten vom Dreizack her zwar auf das Gerät, allerdings ist Tonband ja nur halb so breit wie Videoband. Dann kam mir die Idee, eine Tonbandspule in der Mitte zu teilen und ein Halbzoll breites Zwischenstück einzukleben, was ich auch tat. Als das Ergebnis meinen Vorstellungen entsprach, spulte ich VHS-Band auf und die erste Probeaufnahme konnte stattfinden.

Fotos und Texte: Gerd Weichhaus

Werbung