Grundig TK 147

TK 147 Stereo Hi-Fi automatic

Luxus pur: Stereo-Tonbandgerät TK 147

Wenn man die Typenbezeichnung des Grundig TK 147 liest, vermutet man wahrscheinlich einen direkten Nachfolger des TK 145. Tatsächlich gleichen sich die beiden Geräte auch optisch etwas. Auch die Laufwerke beider Tonbandgeräte sind sehr ähnlich aufgebaut. Dabei handelt es sich beim TK 147 um ein volltransistorisiertes Stereogerät, während das TK 145 noch mit Röhren bestückt ist. Außer der Tatsache, dass es sich hier um ein Stereogerät handelt, sucht man beim TK 147 vergeblich nach irgendeiner Luxusausstattung. Der Vorteil der automatischen Aufnahmeaussteuerung führte zugleich auch dazu, dass bei diesem Gerät sogar das Zeigerinstrument eingespart wurde. An dessen Stelle befindet sich der Schriftzug "AUTOMATIC", welcher bei einer Aufnahme beleuchtet wird. Auch sonst sucht man nach netten Spielereien vergeblich. Auf der linken Seite fünf Tasten und zwei Regler, um die nötigsten Funktionen zu steuern. Rechts befindet sich der Knopf für die Laufwerkssteuerung, wie er in ähnlicher Form auch beim TK 145 vorhanden ist.

Werbung

Wie man deutlich erkennen kann, befindet sich das Gerät gerade im Aufnahmemodus. Der Drehknopf für die Laufwerkssteuerung ist hier etwas schlanker gehalten. Offenbar hat dies Grundig damals als Luxus angesehen. Allerdings muss man auch sagen, dass die Laufwerkssteuerung durch den Drehknopf eigentlich ganz praktisch ist. Man hat im wahrsten Sinne des Wortes alle Laufwerksfunktionen in der Hand.

Hier noch einmal ein Blick auf die Knöpfe und Regler des TK 147. Ganz links die Spurumschaltung mit der zusätzlichen Taste für den Stereobetrieb, rechts davon Lautstärke- und Klangregler. Die beiden weiteren Knöpfe dienen zum Ein- und Ausschalten des Gerätes sowie zum Auswählen der Aufnahmefunktion.

Unter einer kleinen Abdeckung befindet sich der Mikrofonanschluss. Beim Öffnen der Abdeckung wird im Inneren des Gerätes ein Schalter betätigt, welcher das Gerät in den Aufnahmemodus mit Mikrofonverstärker umschaltet. Die Abdeckung schließt sich übrigens durch eine Feder wieder von selbst.

Auf der Rückseite des Gerätes befindet sich eine Abdeckung, welche nach dem Lösen einer einzelnen Schraube abgenommen werden kann. Hier kann die Betriebsspannung des Gerätes umgestellt werden. Sollte mal eine Sicherung durchbrennen, ist in der Abdeckung gleich der entsprechende Ersatz zu finden. Eigentlich ist dies ganz praktisch. Wie man sieht, ist bei diesem Gerät offensichtlich noch keine Sicherung durchgebrannt. Die Ersatzsicherung wurde noch nicht benötigt und befindet sich noch in der vorgesehenen Halterung an der Abdeckung.

Die weiteren Anschlüsse auf der Rückseite. Auf diesem Bild nicht zu sehen ist eine weitere Lautsprecherbuchse, welche sich unter den drei rechten Anschlüssen befindet.

Das rote Teil dient zum Umschalten der Betriebsspannung. Wie man sieht, kann das TK 147 mit 220 oder 110 Volt betrieben werden. Sollte es einmal notwendig sein, den Deckel abzunehmen, darf man keinesfalls vergessen, ihn zur Inbetriebnahme des Gerätes wieder anzubringen. Bei einer versehentlichen Berührung der Sicherungshalter droht ein gefährlicher Stromschlag.

Das Grundig TK 147 mit abgenommenem Gehäuseoberteil. Dieses Gerät ist etwas anders aufgebaut als die meisten anderen Tonbandgeräte. Es besitzt keine einzeln abnehmbare Gehäuseabdeckung. Stattdessen wird praktisch das komplette Gehäuse abgenommen, sodass nur noch Gerätechassis und Bodenplatte übrig bleiben. Die Demontage erfolgt folgendermaßen:

Zunächst werden die fünf Schrauben oben am Gerät entfernt. Anschließend werden die Knöpfe der beiden Regler sowie der Drehknopf für die Laufwerkssteuerung abgezogen. Die kleine Abdeckung an der Geräterückseite sollte nicht vergessen werden. Sie ist nur mit einer einzigen Schraube befestigt. Bevor nun das Gehäuseteil abgenommen werden kann, muss noch der Griff mitsamt Halteschrauben entfernt werden. Der Tragegriff wird dazu zunächst etwas zum Gehäuse geschoben. Am besten stellt man dazu das Gerät so auf, als wollte man es am Griff  tragen. Dabei wird der Griff vorsichtig etwas nach unten gedrückt und dann erst auf der einen, dann auf der anderen Seite nach außen hin abgezogen. Die beiden Griffhalterungen können mit einem Schlitzschraubendreher einfach herausgedreht werden. Nun wird einfach das Gehäuse des TK 147 vorsichtig nach oben abgezogen und man hat das Gerät vor sich, wie es oben auf dem Bild zu sehen ist.

Die Bandführungen und Köpfe des Gerätes. Hier war eine gründliche Reinigung erforderlich. Im Vordergrund zu sehen ist die Kontrollleuchte, die bei Aufnahme den Schriftzug "AUTOMATIC" beleuchtet.

Der Lautsprecher wurde bei diesem Gerät direkt am Gerätechassis befestigt und nicht im Gehäuse, wie es häufig bei anderen Tonbandgeräten der Fall ist. Dies ist eigentlich ganz praktisch, da man beim Entfernen des Gehäuses keine Angst haben muss, die Lautsprecherkabel abzureißen. Der Lautsprecher hat übrigens einen recht guten Klang, aber nur dann, wenn das Gerät im Gehäuse eingebaut ist.

Als ich das Grundig TK 147 bekam, hatte es einen bei dieser Gerätereihe sehr häufig vorkommenden Fehler. Der Knopf für die Laufwerkssteuerung befand sich in Stellung Rücklauf und war durch nichts in der Welt davon wegzubewegen. Grund hierfür war das kleine weiße Teil im Vordergrund des Bildes. Es handelt sich hier um eine kleine Kunststoffhülse, die sich auf einem Metallstift befindet. Das originale Teil war leider zerbröselt. Dadurch verkantete der sich der große Metallhebel in Stellung Rücklauf mit dem Drehknopf so, dass er sich überhaupt nicht mehr drehen ließ. Durch das Anbringen einer neuen Hülse konnte dieser Fehler behoben werden. Da mir natürlich kein originales Ersatzteil zur Verfügung stand, musste ich etwas improvisieren. In einem kleinen Kunststoffröhrchen aus einem alten Kugelschreiber, das ich nach einiger Bearbeitung passend gemacht hatte, fand ich schließlich den richtigen Ersatz für das defekte Originalteil.

Rechts unten im Bild ist die bereits erwähnte zweite Lautsprecherbuchse zu sehen, die normalerweise vom Gehäuse abgedeckt wird. Ich habe bis jetzt noch keine weiteren Nachforschungen angestellt, wozu sie dient.

So sieht es im Grundig TK 147 bei abgenommener Bodenplatte aus. Alles in allem recht übersichtlich, könnte man sagen. Wie bei den meisten Geräten befindet sich im Zentrum der Antriebsmotor, der gleichzeitig auch als Netztransformator dient. Links zu sehen ist die Endstufenplatine. Wahrscheinlich aus Kostengründen besitzt das Gerät nur eine einzige Endstufe. Für den Stereobetrieb bei der Wiedergabe muss es dann einen entsprechenden Verstärker oder an eine Stereoanlage angeschlossen werden. Alternativ hierzu ist doch ein Kopfhörerbetrieb in Stereo möglich. Ganz rechts zu sehen ist die Vorverstärkerplatine.

Solche und ähnliche Motoren wurden damals in den meisten Grundig-Tonbandgeräten eingesetzt. Sie sind recht robust und treiben so ziemlich alles an, was sich nachher irgendwie drehen soll. Um gleichzeitig auch als Netztransformator zu dienen, besitzen die Motoren zusätzliche Sekundärwicklungen, an denen die entsprechenden Ausgangsspannungen für die Versorgung des Verstärkerteils zur Verfügung stehen.

Hier noch einmal ein Blick auf die Endstufenplatine des TK 147. Rechts im Bild zu sehen ist der große Kühlkörper für die Endstufentransistoren. Links auf der Leiterplatte befindet sich der Gleichrichter.

Die Vorverstärkerplatine des Tonbandgerätes. Oben gut zu erkennen ist der Umschalter für Aufnahme und Wiedergabe.

Am Gehäuseboden ist eine weitere Ersatzsicherung zu finden. Sie kann entnommen werden, nachdem der Gehäuseboden entfernt wurde.

Das Grundig TK 147 während eines ersten Probelaufs mit einem bespielten Tonband. Nach einer gründlichen Reinigung aller mit dem Tonband in Berührung kommenden Teile war die Wiedergabe klar und deutlich. Sogar alle Antriebsriemen sind noch in einem durchaus brauchbaren Zustand. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie langlebig diese Laufwerke sind.

Aber auch das beste Laufwerk benötigt einmal neue Schmiermittel. Keinesfalls wollte ich die große Metallplatte an der Oberseite des Gerätechassis demontieren. Glücklicherweise lässt sich die Welle des Schwungrades nach dem Abnehmen einer kleinen Platte auf der Geräteunterseite schmieren, die das Lager enthält. Hier war aber vor dem Aufbringen neuer Schmiermittel eine gründliche Reinigung notwendig.

Ich habe bei dieser Gelegenheit auch gleich die Wickelteller demontiert und deren Wellen mit neuen Schmiermitteln versehen. Außerdem wurde das Gerätechassis so gut wie möglich gereinigt.

Die Rutschkupplungen der Wickelteller stellen recht eigenartige Konstruktionen dar. Beim Auseinandernehmen sollte man genau aufpassen, wie die Teile vorher zusammengesetzt waren. Glücklicherweise habe ich ja vor dem Zerlegen Bilder gemacht, wie man sieht.

Natürlich habe ich auch das Gehäuse gründlich gereinigt, bevor der Zusammenbau erfolgte. Auf jeden Fall hat sich die Reparatur des Gerätes gelohnt. Es nimmt einwandfrei auf, und auch die Wiedergabe ist klar und deutlich. Die Aufnahmeautomatik reagiert zeitweise etwas träge, ist aber durchaus brauchbar. Immerhin ist es durch sie möglich, gute Tonbandaufnahmen zu machen, ohne Gefahr zu laufen, die Aufnahmen zu über- oder untersteuern.

Die 100er Reihe von Grundig bildete sozusagen die Nachfolger der bestimmt ebenso erfolgreichen 10er und 20er Reihe (TK 14, 17, 19 sowie 23 und 27). Es sind sicherlich keine High-End-Bandmaschinen, wurden Sie doch für damalige Verhältnisse relativ preisgünstig hergestellt und angeboten. Immerhin war es durch den Hersteller Grundig erstmalig möglich, relativ günstige Tonbandgeräte zu kaufen, die auch für den Otto-Normalverbraucher zumindest einigermaßen erschwinglich waren.

Fotos und Texte: Gerd Weichhaus

Werbung